Strategic Communication Management

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© 2017 Prof. Dr. Natascha Zowislo-Grünewald / Last modified Thu Nov 17 15:42:40 2016 GMT

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Strategische Leitmotive der Kommunikation

 

Als 1886 im Drugstore des Apothekers John Stith Pemperton ein Kunde begeistert ein Glas mit Soda versetzten Cocasud trank, konnte niemand ahnen, welche Geschichte sich hieraus entwickeln sollte. Das Getränk - passend zur sich seinerzeit ausbreitenden Temperenzler-Bewegung alkoholfrei, dafür damals noch mit anderen berauschenden Substanzen versetzt - wurde zum Synonym für den American Way of Life und den Wert der Freiheit, konsumiert von jedermann, egal ob arm oder reich.

Diese Gleichsetzung war und ist das strategische Leitmotiv des mit diesem Getränk untrennbar verbundenen Konzerns. Der globale unternehmerische Erfolg ist unübersehbar. Überall wo die Vereinigten Staaten präsent waren, ob politisch oder ökonomisch, überall folgte Coca-Cola.

Wer nichts zu erzählen hat, ist nicht. Wer nicht den Sinn seiner Ziele erklären kann, erreicht nichts. Dies gilt nicht nur für Getränkeabfüller, sondern auch für den militärischen Bereich. "Man fängt keinen Krieg an", bemerkte Clausewitz einmal, "ohne sich zu sagen, was man mit und was man in demselben erreichen will." Militärische Kommunikation bedarf guter Gründe. Kommunikation ist notwendig, um Legitimität und damit den Organisationserhalt herzustellen.

An die Stelle von harten materiellen Zielen militärischer Überlegungen treten damit Narrationen, "Strategic Narratives". Sie sind sinnstiftend und gehen über rein rationale Bedeutungsangebote weit hinaus. Sie sind symbolische Formen und vermögen Gewissheiten zu erzeugen, wo rationales Denken zu kurz greift. Strategische Narrationen enthalten das legitimierende und motivierende zentrale Deutungsmuster für extra- und intraorganisationale Akteure. Sie verankern die Streitkräfte in der Mitte der Gesellschaft. Gleichzeitig zielen sie unterminierend auf die strategischen Leitmotive des Gegners und die von diesem beeinflussten Teilöffentlichkeiten.

Im freiheitlich-demokratischen Kontext verbietet es sich, Kommunikation zur Herstellung von Legitimität militärischen Zielen unterzuordnen. Vielmehr ist es umgekehrt: Das tragende Gerüst strategischer Narrationen gründet im politisch-gesellschaftlichen Willensbildungsprozess, der die sicherheitspolitischen Aufgaben definiert.

Gerade in Deutschland jedoch sind die Themen Militärische Sicherheit, Krieg und Tod scheinbar der nicht-öffentlichen Agenda vorbehalten. Die Anforderung, Sichtbarkeit der Politik herzustellen, um hergestellte oder herzustellende Politik wiederum darzustellen, scheint unerfüllbar, weil widersprüchlich. Gleichwohl wäre es wünschenswert, ein strategisches Leitmotiv zu erzählen, eine konsistente und anschließbare Geschichte, welche nicht um jeden Preis widerspruchsfrei zu sein hat, die aber sicherheitspolitische Weichenstellungen und militärische Handlungen in einen breiteren Kontext der Zwecke, Konsequenzen, Risiken und Gefahren stellt.

Doch wie können sicherheitspolitische Kontexte, komplexe militärische Zusammenhänge bis hin zu Kriegen und Kriegshandlungen überhaupt der Öffentlichkeit transparent gemacht werden?

  • Wie verhält sich die strategische Narration im Spannungsfeld von Realität und nationalen Mythen?
  • Wer soll dieses strategische Leitmotiv erzählen und mit welcher Legitimation? Welche Zwecke werden damit verfolgt?
  • Auf welche Art und Weise erfolgt die Erzählung, mit welchen Methoden, und wie lässt sich der Erfolg kontrollieren?
  • Lassen sich strategische Narrationen überhaupt designen und kontrolliert verbreiten, oder kommt es vielmehr darauf an, ein unüberschaubares Gemenge disparater Geschichtenerzähler mit jeweils eigenen Agenden mit ungewissem Ausgang zu koordinieren?
  • Dies sind nur einige der naheliegendsten Fragen, die sich aus der Beschäftigung mit den strategischen Leitmotiven der Kommunikation im sicherheitspolitischen Kontext ergeben.